Die Speicher sind gut gefüllt, die Abhängigkeit von russischen Lieferungen konnte stark reduziert werden. Dabei hieß es noch vor kurzem, dass weltweit kein Gas zu haben sei.
Endlich gute Nachrichten: Österreichs Gasspeicher sind nahezu randvoll, laut aktuellem Stand haben wir beste Aussichten, gut durch den Winter zu kommen. Doch damit nicht genug: Österreich konnte nicht nur seine Vorräte aufstocken, sondern auch seine Abhängigkeit vom unzuverlässigen Gesellen Russland signifikant senken. Waren wir vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine noch zu 80 Prozent vom luftigen Rohstoff aus dem fernen Sibirien angewiesen, sind wir das heute nur noch zu 50 Prozent, wie Klimaschutzministerin Leonore Gewessler nicht ohne Stolz betont.
Nun kann man der Regierung für diese erfreuliche Nachrichten uneingeschränkt gratulieren. Das tut nicht weh, zudem sollte jede Gelegenheit genutzt werden; wer weiß, wann die nächste kommt. Also: herzlichen Glückwunsch! Dies umso mehr, als das vor wenigen Wochen niemand für möglich gehalten hätte. Triest liegt schließlich noch immer in Italien, das Bundesheer hat auch keinen anderen Meerzugang samt leistungsstarker Flüssiggas-Terminals erobert, und noch vor dem Sommer meinten Experten unisono, dass auf den Weltmärkten kaum größere Mengen des heißbegehrten Rohstoffs zu haben wären.
Haben wir es am Ende gar mit einem rotweißroten Gaswunder zu tun? Eher nein. Die plausibelste Erklärung: Die OMV hat sich enorme Transportkapazitäten für Gas gesichert. Beginnend mit 1. Oktober werden in den kommenden zwölf Monaten 40 Terawattstunden aus Norwegen sowie aus Italien nach Österreich gepumpt. Inklusive der inländischen Gasförderung wird die Hälfte des Jahresverbrauchs folglich nicht mehr aus Russland kommen. Die Abhängigkeit wurde also noch nicht auf 50 Prozent reduziert, sie wird erst im Laufe des nächsten Jahres auf diesen Wert sinken. Sofern das Gas auch kommt und in Österreich bleibt.
Aber wir wollen nicht kleinlich sein, zumal es durchaus erkennbare Fortschritte gibt, wie die gut gefüllten Speicher zeigen. In diesem Fall hat Österreich auch davon profitiert, dass größere Mengen an (russischem) Gas, die für andere Länder bestimmt waren, unter heimischem Boden zwischengelagert wurden. Anfang Oktober begann ein neues Lieferjahr, die russische Gazprom hat vertragliche Änderungen mit Italien verspätet unterzeichnet, weshalb vorübergehend kein Gas von Österreich in den Süden geleitet wurde. Darüber hinaus schwappte Gas aus Deutschland ins Land, denn auch dort sind die Speicher in der Zwischenzeit gut gefüllt. Wir sind also weniger von russischem Gas abhängig, schulden aber anderen Ländern (russisches) Gas, das in österreichischen Speichern lagert.
Was uns unweigerlich zur Frage führt, wieviel des hierzulande gespeicherten Gases wirklich „uns“ gehört? Laut der Regulierungsbehörde E-Control etwas mehr als die Hälfte. Das bestätigt auch das größte Gasspeicherunternehmen des Landes, die RAG. Derzufolge habe sich die Republik 20 Terawattstunden über die strategische Reserve gesichert, weitere 25 Terawattstunden haben Energieversorger und Unternehmen eingelagert. Das Problem: Je nach Witterung und Verbaucherverhalten, werden laut E-Control über die Wintermonate 60 bis 65 Terawattstunden gebraucht. Woher die noch fehlenden 20 Terawattstunden kommen werden und wie es danach weitergehen soll? Nichts Genaues weiß man nicht.
Spätestens ab dem kommenden Frühjahr könnte es also ungemütlich werden. Nicht mehr beheizte Sessellliftsitze und stillgelegte Heizschwammerl werden uns zwar ein paar Tage bringen, mehr aber nicht. Sehr viel wird vom Verhalten großer Verbraucher abhängen. Der Staat hätte sich entscheiden können, ob er Unternehmen und private Haushalte zum Energiesparen anhalten oder ihnen Geld zustecken will, damit sie besser mit den steigenden Preisen zurechtkommen. Die Bundesregierung macht beides. Sie appelliert an die Bevölkerung den Deckel auf den Kochtopf zu setzen, die Heizung runterzudrehen und ihre Körper in Decken einzuwickeln, statt die Luft aufzuheizen. Gleichzeitig schickt sie Geld, damit die Haushalte die steigenden Energiepreise nicht zu stark spüren. Das ist ungefähr so, als forderte sie die Bürger dazu auf, endlich weniger Alkohol zu konsumieren, um ihnen gleichzeitig Gratis-Shuttles zum nächsten Heurigen-Ausflug vor die Türe zu stellen. So wird das nichts.
Nach den privaten Haushalten sind nun die Unternehmer an der Reihe. Auch hier greift der Staat wieder beherzt zur Fördergießkanne. Dabei gäbe es keine überzeugendere Werbung für das Senken des Verbrauchs und den Umstieg auf Alternativen als hohe Preise. Klar, niemand kann ein erhöhtes Interesse daran haben, weite Teile der Industrie am Boden zu sehen. Der Staat kann aber gerade Unternehmen nicht von jedem Risiko befreien. Zu helfen ist dort, wo es sich um ein vorübergehendes Problem handelt. Aber nicht dort, wo das Geschäftsmodell ohne günstiges Gas aus Russland nicht überlebensfähig ist. Die Bundesregierung versucht hingegen, die unerfreuliche Realität wegzuzaubern. Aber sie kann keine Wunder wirken. Auch wenn sie gerne so tut, als wäre das die leichteste aller Übungen.
Kolumne von Franz Schellhorn im “profil” (09.10.2022).
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